Zahnprobleme beim Hund

Hunde haben 42 Zähne, welche ein Leben lang zum Kauen und Nagen gebraucht werden. Heutzutage ist die Lebenserwartung unserer Gefährten erheblich gestiegen. Aus diesem Grund sind Zahnprobleme, die erst im Laufe der Zeit auftreten,  häufiger geworden und gewinnen im Leben eines Hundes immer mehr an Bedeutung. Am gängigsten sind Zahnstein und Parodontitis.

Als erstes kommt der Zahnstein

Aufgrund mangelnder Zahnhygiene (kein Zähneputzen) vermehren sich Bakterien im Maul und bilden Zahnstein. Solange sich der Zahnstein nur auf der Oberfläche des Zahns befindet, ist dies noch kein wirkliches Problem. Leider wird er sich aber bis zum Zahnfleisch hin ausdehnen und subgingivalen Zahnstein bilden. Um und zwischen den Zähnen bilden sich dann Hohlräume, in denen sich Bakterien weiterhin vermehren und Eiterablagerungen bilden können, wodurch auch schlechter Atem verursacht wird.

Starker Zahnsteinbefall und das Auftreten von Hohlräumen mit Eiter.

Zahnlockerung, die unvermeidliche Folge

Das Zahnfleisch wird durch die Anwesenheit von Bakterien und den mechanischen Druck des Zahnsteins zurückgedrängt. Dies ist die  Eingangstür für Bakterien in den Raum, in dem der Zahn befestigt ist, d.h. zwischen dem Knochen, der den Zahn umgibt (die Alveole) und dem Zahn selbst.  Blutungen können entstehen aber vor allem wird sich der Alveolarknochen allmählich  zurückzubilden. Das bedeutet, dass die Halterung des Zahnes nach und nach verloren geht. Man  spricht von horizontalem und vertikalem Knochenverlust. Anfänglich vom Zahnfleisch verdeckt  kann dies nur durch dentale Röntgenaufnahmen erkannt werden.

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Zahnwurzel Beeinträchtigung

Dann zieht sich das Zahnfleisch, welches nun nicht mehr durch den Knochen gestützt wird, weiter zurück. Die Zahnwurzel ist dann freigelegt. Dadurch bilden sich neue Hohlräume, in denen sich Bakterien vermehren können und ein Teufelskreis wird in Gange gesetzt.

Knochenverlust und starker Rückzug des Zahnfleisches, wodurch die Zahnwurzel freigelegt wird.

Das Erreichen der Furkationen

Eine weitere Folge des Knochenrückzugs vom Zahn ist das Auftreten der Furkation. Dieser Begriff bezieht sich auf das Verschwinden vom Knochen zwischen den Wurzeln desselben Zahnes. Infolge dessen kann eine Zahnsonde unter den Zahn eingeführt werden.

Die Zahnsonde kann zwischen die zwei Wurzeln eines Prämolaren eingeführt werden

Beweglichkeit und Verlust des Zahnes

Alle Eingriffe auf den Zahnhalterungsapparat führen schließlich zur Instabilität des Zahnes, welcher dann anfängt zu wackeln. Nach einer Weile wird er auch herausfallen. Dieser entzündliche Prozess, welcher sich oft über mehrere Monate oder sogar Jahre hinauszieht, ist für das Tier schmerzhaft. Er verursacht unter anderem starken Mundgeruch, was der häufigste Grund für eine Konsultation ist. Zudem hat der Hund Schwierigkeiten beim kauen, doch dieses Symptom wird vom Besitzer nur selten bemerkt.

Die Behandlung

Leider ist es nicht möglich, verlorener Knochen zu regenerieren. Doch der Körper ist in der Lage, einige Defekte mit Narbengewebe aufzufüllen und kann somit den Zahn stabilisieren. Wenn der Schaden nicht zu schwerwiegend ist, ist es möglich, eine Kürettage der Hohlräume durchzuführen und manchmal das Zahnfleisch fest darüber zu nähen, so dass sich Bakterien dort nicht mehr ansiedeln können. Zahnpflege (regelmäßiges Zähneputzen) ist eine Voraussetzung für den Erfolg dieser konservativen Behandlungen.



Wenn jedoch bereits mehr als 50% des Alveolarknochens zerstört ist, sind die Erfolgschancen dieser Behandlung gleich Null und der Zahn muss gezogen werden. Das Tier ist danach von seinen Schmerzen befreit und kann wieder normal kauen.